Archiv der Kategorie 'lebens.wellen'

ich denk an dich – auf papier

Sonntag, den 22. August 2010

ich denke an dich das soll
auf papier stehen in
deinen gedanken ein wenig
zerknittert als trägest du
einen kleingefalteten zettel
in deiner hosentasche um ihn
dann und wann herauszunehmen
und dich an den worten zu erfreuen
und ein bisschen wie eine einkaufsliste:
heute muss ich noch an dich denken
denn du tust es auch
steht hier geschrieben.

abschiedsgeschenk

Sonntag, den 22. August 2010

wir tranken von dem glück das du
uns dagelassen hast es schmeckte
nicht sonderlich intensiv mehr
ein nachklingen des einst gewesenen aber
es war dein abschiedsgeschenk
du hattest es in weinrotes papier gewickelt und
für jeden von uns einen vers dazu geschrieben
ich weiß noch wie schrecklich sie waren
stolprig und voll kitschiger kinderreime, verzeih
ich wollte einst dichter werden deshalb
dieser gedanke […]

kellner.ei

Montag, den 9. August 2010

„Haben Sie einen Schlüssel für die Herrentoilette?“
„Nein, da ist dann jemand.“
„Oh.“
[Diese Frage stellen überhaupt NUR männliche Gäste]
Zwei Minuten später.
„Sagen Sie, geben Sie Schlüssel aus für das Herrenklo?“
[Derselbe]

koffein

Samstag, den 7. August 2010

der laptop liegt auf meinem schosz.
ich fange an zu zittern dabei hatte ich
lange nicht mehr gezittert zuletzt
zwischen einem provinzbahnhof und
berlin zoologischer garten: kurz
vor dem warten auf den abflug;
der rückflug dann war ein intermezzo
nicht der unruhe wert.
erst später
zittere ich wieder es geht
ein bisschen um die zukunft um
das neue vielleicht oder
das flehentliche festhalten an einem
so war es […]

samstag (im nahverkehr)

Samstag, den 7. August 2010

das großmütterchen im bus (riecht nach alter frau
und setzt sich neben mich):
fallt nicht herunter da
die mutter (zwei sitze dahinter):
setzt euch hin
die kinder:
[nichts.]
der vater: hinsetzen (im inifinitiv)
setzt euch hin, die mutter.
die alte frau (umklammert ihre schwarze handtasche):
ihr müsst doch schauen, nicht?
die eltern:
sie hören nicht, sie hören nur einmal.
setzt euch hin!
[nichts.]
der busfahrer (sieht wie nichts, nichts passiert, […]